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Ein Wein für Kenner und Genießer
Das Anbaugebiet für den Portwein liegt weit im Norden Portugals. Anders als an der sonnigen Algarve ist das Klima hier rauer. Ein zerklüftetes Gebirge grenzt bis an den Atlantik. Die Landschaft ist tief-grün, die Städte wirken mittelalterlich, immer wieder sieht man alte Burganlagen aus einer längst vergangenen Zeit. Mitten durch diese Land fließt der „Douro“, ein gewaltiger Fluss der einer ganzen Region seinen Namen gab. Er bringt Süßwasser, das die Trauben zwischen heißer Sonne und kalten Nächten aufnehmen müssen. Der Atlantik sorgt an diesem letzten Zipfel der iberischen Halbinsel für einen stetig, leicht kühlenden Wind sowie für eine etwas erhöhte Luftfeuchtigkeit. Das schroffe, teilweise hochgelegene Gebirge verlangt den Reben „viel Arbeit“ ab. Ein ideales Klima für das heranreifen von feinsten Weintrauben und damit Basis für große Weine.
Charakter Portwein schmeckt kräftig und würzig, etwas nach Walnüssen, Vanille, Kirsch, Beerenfrüchten, er reift in Holzfässern und schmiegt sich meist mit einer kleinen Restsüße regelrecht an den Gaumen. Man unterscheidet vor allem zwei grundsätzliche Charaktere: Ausgiebig fassgereifte Portweine (Ruby, Tawny, Colheita) und vordergründig flaschengereifte Portweine (Vintage, bedingt auch Late bottled Vintage). Meist beginnt nach dem ersten Tropfen eines hochwertigen Port eine lange Leidenschaft. Nicht nur wegen des königlichen Aromas, auch wegen seiner interessanten History. Portwein stammt aus der ältesten, offiziell deklarierten Weinregion der Welt, aus dem Douro-Tal in Portugal (1756). Der feinste aller Portweine ist der Vintage. Nur etwa 2-3 Prozent der Traubenernte eines Jahrzehnts (!) schaffen wegen der strengen Auflagen den Status Vintage-Port.
Die Portwein-Region Dreh- und Angelpunkt ist die Stadt Porto. Dort lagert am Ufer des Douro, im Stadtteil Vila Nova de Gaia, traditionell seit Jahrhunderten der Portwein in alten Holzfässern und riesigen Hallen vor sich hin. Die großen Namen des Portweins prangen auf zahllosen Plakaten: Warre, Graham, Dows, Fonseca, Burmester, Gilberts – um nur einige zu nennen. Täglich kommen Tausende Touristen, um sich mit kleinen Proben des Getränks verwöhnen zu lassen. Viele beginnen mit dem Tawny. Er ist „lohfarbend“, was gleichzeitig die englische Übersetzung für seinen Namen ist. Der Tawny besitzt, neben der Colheita, diese leicht holzige Farbe. Nicht umsonst: er hat eine Fasslagerzeit von mindestens drei Jahren hinter sich. Wertvollere Tawny liegen 10,20,30, 40 Jahre und länger in Holzfässern, bis sie in Flaschen abgefüllt werden. Portwein braucht also Zeit. Manchmal ein halbes Menschenleben lang. Der Tawny schmeckt kräftig-würzig, raffiniert, „vanillig“ bis nussig, wobei er trotzdem seinen Fruchtcharakter sehr betont und wunderbare feinwürzige Aromen vereinen kann. Wer es sanfter mag, mit dem Hauch von opulenter Süße, sollte sich einen Ruby oder, etwas feiner abgestimmt, den „Vintage Charakter“ bestellen. Diese Portweine bekamen ihren Namen ebenfalls wegen der sehr intensiven, tiefroten Färbung.
Die History des Vinho de Porto Wer den Vinho do Porto (meist 19-20% vol.) wirklich mal erfunden hat, lässt sich kaum mehr sagen. Es gibt eine alte Geschichte, nach der zwei Herren aus Liverpool, im Jahre 1648, diesen Wein „erfanden“. Warre’s war dann der erste Port-Shipper, der ab 1670 die Weine offiziell nach England lieferte. Bis heute bleibt Warre’s übrigens DIE Prestige-Marke im Port-Geschäft.
Wie er gemacht wird Seine Bestandteile sind rund ¼ hochwertigster, neutraler Trauben-Alkohol, gemischt mit teilvergorenem Wein. Der Zusatz von Alkohol stoppt die Gärung und es entsteht eine süßliche Mischung. In dieser Form kann man den Wein extrem lange lagern und reifen lassen.
So genießt man Portwein Weißer Portwein, kühl serviert, eignet sich sehr als Aperitif. Er passt zu Fischgerichten, Mandeln und Oliven. Auch als Longdrink funktioniert er bestens. Ein tolles Rezept: 1/3 White-Port, 1/3 Vinho Verde, 1/3 O-Saft, Eiswürfel, je eine Scheibe Limette und Zitrone, evtl. auch ein Stück Orange – alles eiskalt serviert und schon haben Sie ein köstlich-erfrischendes Sommer-Getränk.
Roter, reifer Portwein zu Speisen! Direkt zu den Speisen genießt man die roten Portweine. Probieren Sie bitte mal einen Late Bottle Vintage (LBV) oder Vintage zum Entenbraten oder zur Gans! Sie werden den Genuss so schnell nicht vergessen. Außerdem immer passend sind diese Weine zukräftigem Käse (Roquefort, Stilton, alter Gouda), Trockenfrüchten, Nüssen, Wildpasteten, Fasan oder Reh. Dazu passend oder ergänzend auch Worchestersauce, Blätterteig, schwarze Trüffel oder (süßliche Richtung): Zimteis, Torten, Kirschkompott, Stollen, Feigen (!) oder Marzipan. Wer bei den hochwertigen Charakteren des Portweins angekommen ist, wird von den unzähligen Nuancen des Getränks geradezu beeindruckt sein. Plötzlich schmeckt man sanfte Küchenkräuter, Minze, Tymian, Zitronenkraut oder auch mal Toffee, Caramel oder Walnüsse heraus. Auch animalische Aromen, Rauch, Teer, Leder können als feine Aromen wahrnehmbar sein. Diese Zutaten landen nicht etwa im Portwein, sondern es sind Aromen, die einzig durch Lagerung und Reife der Weine erreicht werden. Womit man hier mit einem uralten Vorurteil endgültig aufräumen kann: Portwein hat nichts mit Likör zu tun!
Der Boden auf dem die Trauben wachsen sowie die Reben spielen außerdem eine große Rolle. Oft sind alte Rebbestände, die in einer Mischkultur zwischen Oliven, Korkeichen, Mandelbäumen, Pfirsichen, Kirschen und Orangen heranwachsen besonders raffiniert. Den besten Önologen gelingt es, solch ein Potential auf den Wein zu übertragen. Portugal ist übrigens das rebenreichste Land der Welt. Über 500 Sorten soll es geben. Mit weit über 300 von ihnen wird tatsächlich Wein hergestellt. Oft sind die Reben alt, dick wie Baumstämme, knorrig und wenig ertragreich – dafür aber umso intensiver in der Frucht.
Durch seine klaren Aromen taugt Portwein übrigens nicht nur zum Trinken. In der Küche verleiht er eleganten Speisen den letzten Schliff. Bereits die französische Cuisine des 18. Jh. erkannte die Raffinesse, mit der Portwein die Speisen würzt: Hirschragout, Kaninchen, Meeresfrüchte und Süßspeisen schmecken ganz einfach herrlich, wenn sie mit Portwein „angemacht“ sind. Und noch ein Tipp: Das am Flaschenboden verbleibende Depot (Crust), grob gefiltert, dann dünn über Steaks gestrichen und ab in die Pfanne. Wir sagen: „Prost – oder guten Appetit“!
Die verschiedenen Portweine und ihre Charaktere:
White Port: Der White Port wird, wie der Name schon ankündigt, ausschließlich aus Weißweintrauben gewonnen. Es gibt ihn von nussig-süß (Lagrima) bis trocken.
Ruby Port: Geschmacklich ist dieser Port, wegen seiner pfeffrig-fruchtigen Schärfe, sehr interessant. Außerdem besitzt ein guter Ruby diese opulente Süße.
Tawny: Der Tawny ist ein fassgelagertes Portwein-Cuvée aus verschiedenen Jahrgängen. Gute Tawny liegen 6 und mehr (10,20,30,40) Jahre in Holzfässern.
Colheita: Die Colheita ist ein „Jahrgangs-Tawny“. Seine Trauben stammen aus einem einzigen, sehr guten Erntejahr. Eine Colheita reift mindestens sieben Jahre im Fass. Meist kommt er erst nach 15 und mehr Jahren auf den Markt. Viele Port-Genießer ziehen eine gute Colheita (wegen seiner ausgeprägten Fassreife) sogar dem Vintage vor.
Vintage Character Der Name Vintage Character erklärt es schon fast: Hier wird quasi ein Replik bereitet. Man möchte dem hochwertigen Vintage in Duft und Geschmack ähnlich werden, dabei aber preislich günstiger bleiben.
Late Bottled Vintage (auch LBV): Late Bottled Vintage ist ein junger Jahrgangsport aus guten Jahren, der seine hohe Qualität erst mit den Jahren der Lagerung bewies. Er wurde quasi nachträglich als Vintage deklariert.
Vintage Port: Der Vintage gilt als edelster Portwein. Hinsichtlich Reife und Geschmack (feinster Duft nach Zedernholzaromen, Nüssen, Veilchen) bleibt er unübertroffen – und entsprechend teuer. Er reift einige Jahre im Fass und wird dann, noch jung, in Flaschen umgefüllt, in denen er unter optimalsten Bedingungen jahrzehntelang reifen darf.
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